Beschreibung der Karstgebiete im Weser- und Leinebergland


Süntel und Deister
Der Süntel bildet zusammen mit dem östlich gelegenen Deister das nordöstlichste Jura-Karstgebiet Deutschlands. Die über 300m u. NN reichenden Bergzüge und Hochflächen bestehen zu großen Teilen aus Gesteinen des oberen Jura (Malm). Hier ist vor allem der stark verkarstungsfähige Korallenoolith zu nennen. Aber auch die im Hangenden befindlichen Kimmeridge-Schichten zeigen eine ausgeprägte Verkarstung in Form von Dolinen und Schächten (DORSTEN & MEYER 1998 und 2000). Der ca. 58 km² große Süntel wird durch vier topographische Karten 1:25000 abgedeckt, die auch die Grundlage für das Niedersächsische Höhlenkataster bilden, (3721 Auetal, 3722 Lauenau, 3821 Hessisch Oldendorf und 3822 Hameln). Im Westen am Rhodener Pass bei Hessisch Oldendorf geht der breite Süntel in das schmale Wesergebirge über. Derzeit sind in diesem Gebiet 75 Höhlen mit einer Gesamtganglänge von 2545 m (~34 m / Höhle) erfasst. 1996 wurde, angeregt durch den Speläologen Bund Hildesheim, zusammen mit  Gebietsbetreuenden Höhlengruppe Nord e.V., damit begannen die Dolinen und Karstquellen des Süntels zu erfassen, siehe Tab. (DORSTEN 1998, MEYER 2000).
Die Hauptverkarstung bzw. das mit über 1000m GGL größte Höhlensystem liegt im Westsüntel. Die ersten typischen Schichtfugenhöhlen wurden ab 1900 durch den Gesteinsabbau entdeckt und teilweise zerstört. Eine erste Übersicht gibt FABISCH 1996. Eine mit über 80 Farbbildern ausgestattete Höhlenmonographie ist im Frühjahr 2001 als Mitteilungsband des Speläologen Bundes Hildesheim erschienen. Sie behandelt die derzeit drittgrößte Tropfsteinhöhle: die Langenfelder Höhle (SCHILLAT & MEYER 2001).
Ab Ende 2002 wird evtl. die Schillathöhle als offizielle Schauhöhle für die Öffentlichkeit  zugänglich sein. Neben den faszinierenden Einblicken in die Unterwelt des Süntels bietet die zukünftige Schauhöhle drei einzigartige Höhepunkte:
     1. Sie ist die einzige Schauhöhle in einem aktiven Steinbruch.
     2. Sie ist die einzige Schauhöhle in den Schichten des Korallenoolithes.

     3. Es wird dem Besucher in einer 3D-Diashow die Unterwelt des Süntels gezeigt.

Neben den Karst bzw. Tropfsteinhöhlen kommen im Süntel auch Hangabrissklufthöhlen, Bergsturz- und Blocküberdeckungshöhlen vor, wie z.B. im Hohenstein, der Südwehe dem Schrabstein usw. Die Entstehung dieser so genannten tektonischen Höhlen wurde von MEYER & DORSTEN 1999 am Beispiel der Messingsberger Tiefenhöhle im Wesergebirge beschrieben.
Südwestlich der Landeshauptstadt Hannover liegt der Große Deister. Deister und Süntel werden durch das so genannte Deister-Süntel-Tal getrennt, welches im Süden mit Bad Münder beginnt und im Norden bei Lauenau endet. Am südlichen Fuß des großen Deister liegt in einem Taleinschnitt die Stadt Springe. Sie trennt den Großen und den Kleinen Deister. Oberhalb von Springe (Großer Deister) liegen mehrere Karst- und Klufthöhlen wie z.B. die Obere und die Untere Teufelsschluchthöhle, das Kiesloch usw. Diese Kleinhöhlen zeigen einen beachtlichen Sinterschmuck. Die teilweise verschlossenen Höhlen werden von den Höhlenfreunden Hannover e.V. betreut. Befahrungen außerhalb der Fledermausschutzzeit vom 1. Okt. – 30. April können vereinbart werden.
Sind die Höhlen des Großen Deister schon relativ klein und eng, machen die Saupark-Zwergenlöcher im Kleinen Deister ihrem Namen alle Ehre. Der südlich von Springe gelegene kleine Deister ist komplett als Naturschutzgebiet Saupark geschützt. Die Zwergenlöcher im Kammbereich oberhalb des Jagdschlosses sind Kleinhöhlen mit maximalen Längen von 30m. Von den über 12 bekannten Löchern ist die Bärbelshöhle, auch Homeistersloch genannt die größte und bekannteste. Zwei Informationstafeln informieren über Fledermäuse und Höhlenentstehung (Grafiken MEYER 1990).
Im Zuge der Erfassung der für Fledermäuse wichtigen Quartiere durch die Bezirksregierung Hannover wurden die Höhlchen verschlossen (Forst!). So wurde Unverständlicher Weise auch die Cafeteria, ein Abri von 3 m Länge verschlossen!  Tausende von D-Mark der Steuerzahler wurden hier verbaut. Und auch nur bei der Bärbelshöhle ist der Zugang über eine Tür weiterhin nach Anmeldung beim Forstamt möglich! Eine Monographie der Zwergenhöhlen im Saupark findet sich im Mitteilungsband 1990 Speläologen Bundes Hildesheim (MEYER 1990).

Weser- und Leinebergland
Neben dem Harz ist das Weser - und Leinebergland ein weiteres wichtiges Forschungsgebiet der ArgeKH e.V.
Die Bezeichnung Weser - Leinebergland ist im Grunde ein Sammelbegriff für mehrere Gebirge und Höhenzüge, die im Einzugsgebiet dieser beiden niedersächsischen Flüsse liegen. Das Weserbergland setzt sich aus dem Wesergebirge, Süntel, Deister, Ith, Pyrmonter Bergland, Ottensteiner Hochfläche dem Vogler, Homburg und Elfas zusammen. Zum Leinebergland zählt man den Osterwald, den Kleinen Deister, den Külf, Thüster Berg, Duinger Berg, Selter, Sackwald und weitere kleine Höhenzüge.
Das Wesergebirge
Das Wesergebirge erstrecht sich von Porta Westfalica bis Hessisch Oldendorf.. Es bildet mit dem Bückeberge die Grenze zur norddeutschen Tiefebene und ist aus Gesteinen des mittleren und oberen Jura aufgebaut. Die Karsterscheinungen des Wesergebirges liegen allesamt in den Horizonten des so genannten Wiehengebirgsquarzits und des Korallenoolithes. Im Wesentlichen ist die Höhlenbildung auf Bergzerreißungsvorgänge und einer nachträglichen Überprägung durch eindringendes Oberflächenwasser zurückzuführen. Bekannt sind zurzeit ca. 20 Klufthöhlen und ein echte Karsthöhle. Die Größten Höhlen erreichen Tiefen von -35m und Ggl. von 55m.
Dieses Gebiet wird von der Höhlengruppe Nord e.V. betreut.

Der Ith
Der Ith ist ein Teil der Hills Mulde. Diese geologische Struktur entsteht durch großflächiges Abwandern des Zechsteinsalzes im Untergrund. Dadurch kippen die Schichten teilweise in die Tiefe, während sie in anderen Bereichen durch aufsteigendes Salz hochgedrückt werden.
Der Ith ist ein sich von Coppenbrügge bis Eschershausen erstreckender Höhenzug, der die westliche optische Begrenzung dieser Mulde darstellt. Sein Sockel wird aus Gesteinen des mittleren Jura gebildet, während die weit sichtbare Klippenzone wiederum aus den harten Kalken ( Korallenoolith ) des oberen Jura aufgebaut sind. Dieser ist teilweise dolomitisch.
Höhlen sind allesamt in diesem Horizonte bekannt, meist als Klufthohlen, die eine nachträgliche Überprägung durch Wasser erfahren haben. Bedeutung haben die Höhlen des südlichen Ith bei Holzen (Nasenstein-, Kinder-, Soldaten-, Töpfer-, und Rothesteinhöhle) für die Archäologie, da sie den Menschen schon sehr frühzeitig als Zuflucht-, Wohn-, und Opferstätten dienten.
Am östlichen Abhang des Ith treten einige Schichtgebundene Karstquellen aus Grenzhorizonten des Kimmeridge hervor, die eine periodische Schüttung vorweisen.
Zurzeit sind hier 15 Höhlen im niedersächsischen Höhlenkataster erfasst, die längste mit einer Ggl. von 89m.

Das Pyrmonter Bergland
Das Pyrmonter Bergland setzt sich überwiegend aus Gesteinen des Trias zusammen. Vorherrschend sind hier die Schichten des Keupers und des Muschelkalks. Karstphänomene treten häufig dort auf, wo Gipslager zutage
treten oder dicht unter der Oberfläche liegen. Dies ist z.B. nördlich von Bad Pyrmont der Fall. Die dortigen Erdfälle "Sieben Kuhlen" sind durch Auslaugungprozesse im Gips des Unteren Muschelkalk entstanden. Eine
geologische Besonderheit findet sich in Bad Pyrmont ebenfalls. Aus einer Kluft der Dunsthöhle im Buntsandstein tritt reines CO2 aus. Dieses Gas entstammt vermutlich einem uralten Magmakörper, der in über 3000 m Tiefe
"stecken geblieben" ist. Wahrscheinlich sind einige Erdfälle auf die direkte Wirkung dieses CO2-Austrittes zurückzuführen. Im Westen des Berglandes gibt es neben zahlreichen Karsterscheinungen auch einige kleinere Höhlen im Muschelkalk.

Die Ottensteiner Hochfläche
Bei der Ottensteiner Hochfläche handelt es sich um ein ausgedehntes Karstplateau zwischen dem Pyrmonter Bergland im Nordwesten und dem Wesertal im Osten. Zutage treten hier überwiegend die Schichten des Unteren, Mittleren und Oberen Muschelkalks, vereinzelt auch des Unteren Keupers. Die Hochfläche ist von der Weser steil angeschnitten und liegt im Mittel ca. 200 m über dem Tal. Sehr bekannt ist hier das Durchbruchstal an der Steinmühle durch seine schroffen Felshänge. Es gibt in diesem Bereich einige  bemerkenswerte Karsterscheinungen
wie Schwinden, starke Quellen und einige Höhlen.

Der Vogler
Der Vogler liegt südlich von Bodenwerder und ist bis auf einige Ausnahmen ein reines Buntsandsteingebirge. Seine höchste Erhebung liegt bei 412 m NN. Unter dem Sandstein liegt allerdings Zechsteingips, der teilweise untertägig gewonnen wird. Einige Erdfälle deuten auf eine vorhandene Verkarstung hin. In diesem Bereich finden sich auch einige kleinere Schwinden. Südlich des Voglers schließt sich die Rühler Schweiz an. Hier treten wieder die Schichten des Muschelkalks zutage. Die im Unteren Muschelkalk befindlichen Gipslager werden z.B. am Breitenstein untertägig abgebaut. Entlang der Ausstriche dieser Gipse können Dolinen und Schlotten beobachtet werden.

Der Homburg
Der Homburg liegt zwischen Stadtoldendorf und Eschershausen. Er erreicht im Schnitt Höhen bis 400 m NN. Hier ist ebenfalls der Buntsandstein anstehend. Allerdings liegen im südlichen Bereich mehrere ausgedehnte Gipsvorkommen des Zechsteins. Diese werden schon seit langer Zeit abgebaut. In den bisher vom Tagebau verschont gebliebenen Bereichen findet man hervorragend ausgeprägte Karsterscheinungen. Zu nennen sind hier viele Schwinden, Quellen und tiefe Dolinen. In den Steinbrüchen sind außerdem einige Grundwasserleiter unmittelbar angeschnitten, die sich als kleine Wasserfälle ergießen. Auch einige kleine Höhlen sind bekannt.

Autoren, Kontaktadressen:
Stefan Meyer, Kirchfeld 14, 31171 Nordstemmen OT Barnten
Ingo Dorsten, Im Schleidt 9, 35745 Herborn (Email: ingo.dorsten et hokodata.de)

Die Sulfatkarstgebiete des oberen Jura ( Malm ) im Niedersächsischen Bergland


von Ingo Dorsten


1.0 Einleitung

Das es im Norden Deutschlands eine Anzahl von hochinteressanten Karstgebieten  in den Sulfathorizontendes Zechsteins gibt, dürfte hinreichend bekannt sein. Um so überraschender ist es aber, daß erst im Frühjahr 1998 die Aufmerksamkeit auf einige Gipsvorkommen im Süd – Niedersächsischen Bergland fiel. Hier befinden sich die einzigen an die oberfläche austretenden Lagerstätten von Anhydrit und Gips der jurassischen Münder Mergel, die zur Zeit in Deutschland bekannt sind ! Nach der Entdeckung der Mathildenhöhle im Februar 1998 stieg das Interesse an diesem bisher wenig beachteten Karstareal und es wurden weitere Gebiete untersucht, deren Ergebnisse nachstehend vorgestellt werden.

2.0 Geographie

Das betroffene Gebiet befindet sich im Süden Niedersachsens, zwischen den Höhenzügen Ith,  im Westen,  und Selter, im Osten. In dem Waldgebirge des Hils, der die Form einer gut 6 x 10 km  großen Schüssel einnimmt kommen die größten Sulfatlagerstätten vor. Die höchste Erhebung ist die Bloße Zelle mit 480 m üNN.

Eines der beiden Areale liegt an der Südwest Flanke des Hils nahe der Stadt Alfeld.

 

In einem 0,5 x 2,5 km langen Streifen treten hier unter seinem Hang  die drei Gipslager zu Tage, die einen formenreichen Karstschatz beherbergen.
Das andere, weitaus größere Areal existiert östlich der Stadt Eschershausen und Holzen nahe der Süd Flanke des Ith. Auch hier treten die drei Gipslager unter dem Hilssandstein hervor, die allerdings  nach Norden hin, bedingt durch das flachere Relief des Geländes, an Ausdehnung zunehmen.
Im allgemeinen läßt sich der Ith – Hils als Wasserscheide zwischen der Weser und der Leine bezeichnen.


3.0 Geologischer Überblick

Zu Beginn des Malms zog sich das Jurameer auf das niedersächsische Becken zurück, an dessen Südrand das Leinegebiet liegt. Die sogenannte Hildesheimer Halbinsel östlich der heutigen Leine war Festland; in der Hilsbucht, im westlichen Anschluß, kamen dagegen mächtige kalke und Mergel zum Absatz.

Eine nach Süden hin  zunehmende Eindampfung des Meeres führte zu der Ablagerung von Sulfaten des Münder Mergel. Es bildeten sich zudem auch Salzablagerungen. Nach deren Auflösung blieben anhydrithaltige Lagen zurück und es entstanden die heutigen Sulfatlager des  Hils.

Für den Gebirgsbau spielen die mächtigen Salzablagerungen des Zechsteins eine wichtige Rolle.

Da das Salz leichter als die aufliegenden  Trias-, Jura-, und Kreideschichten ist, wandert es von den tieferen zu den höher gelegen Schollen ab und wölbt die Deckschichten zu Salzsätteln auf .

Diesen Umständen verdanken wir heute, daß der Münder Mergel mit seinen Anhydritlagen im Hils erhalten blieb und nicht wie in den anderen Regionen durch Abtragung verschwunden ist.An den Hängen des Hils treten diese Sulfatlager als drei  5 m – 15 m mächtige Lager zu Tage, deren Fallen 10°- 18° zum Muldenzentrum hin beträgt. Sie werden getrennt durch bis zu 5m – 10 m mächtige Lagen aus Tonstein und Kalkmergel.Diese Sulfatlager zeigen allerdings keine gute Vergipsung. Es ergeben sich klare Beziehungen zwischen der Mächtigkeit der tonigen Überlagerung und dem Gipsgehalt ( = Reinheitsgrad ) der Lager. Bereits bei einer Überlagerung von 10 m – 15 m sinkt der Gipsgehalt auf unter 75 %. ( Dies ist u.a. die untere Grenze für viele Baugipsprodukte )  In Folge des bergwärtigen Einfallens der Sulfatlager wird somit schon in geringer Entfernung vom Ausbiß das Ende der vergipsten Bereiche erreicht.

4.0 Das Karstareal  im Südosten des Hils

Dies ist das am besten erforschte Gebiet, was zum einen an der Entdeckung der Mathildenhöhle zum anderen an der intensiven oberflächlichen Bearbeitung durch eine Großzahl von ArGe Mitgliedern liegt.

Gänzlich unbekannt war es aber auch in der Vergangenheit nicht. Die Stelle wo jetzt die Mathildenhöhle liegt  fand schon um 1980 als „Bachschwinde nahe dem Selter“ Beachtung. Man vermutete einen größeren Hohlraum zwischen einer Schwinde einerseits und einer 250 m –300m nördlich existierenden Karstquelle. Allerdings war zu damaliger Zeit an einer Befahrung der Höhle nicht zu denken, weil schlichtweg kein Eingang zu finden war. Somit wurde dieses Gebiet nur selten zwecks  Kontrolle der Schwinde und Quelle aufgesucht und erfolglos wieder verlassen.

Im Jahre 1996 brach dann auf einer Rinderweide ein Erdfall ein, der schnell zur Sicherung von dem Besitzer eingezäunt wurde um den Absturz von Vieh entgegenzuwirken. Es sollte aber noch zwei weitere Jahre dauern, bis im Februar 1998 der Erdfall von dem Autor entdeckt  und als „sehr höffig“ eingestuft wurde.

Eine darauffolgende Grabung von Lothar Midden und Ingo Dorsten brachte den lang erhofften Erfolg: Eine 317 m lange vadose Gerinnehöhle, die sich hangparallel einen bemerkenswerten Hohlraum geschaffen hatte. Gespeist durch jenen Bach der im mittleren der drei Lager versinkt, um als Karstquelle wieder zu Tage zu treten. - Die Mathildenhöhle. Ihre Beschreibung erfordert eine gesonderte Publikation und soll hier nicht näher beschrieben werden.Das Hauptaugenmerk richtet sich nun also auf die anderen nicht weniger interessanten  anderen Karsterscheinungen in ihrer Umgebung.


Einzigartig für das Leinebergland ist die Umgebung der Mathildenhöhlenschwinde. Während der Bach einige Zeit durch ein ruhiges Bett fließt, trifft er ziemlich bald auf eine kleine Naturbrücke. Er durchläuft sie auf etwa 3m Länge, bis ein Einsturz den Blick auf den Bach kurzfristig freigibt, bevor er abermals  für 4 m verschwindet, um dann in einer alten Müllhalde wieder aufzutauchen und nach 20 m endgültig den Untergrund sucht. Der weitere Verlauf des Baches  ist dann nur noch an der Wilden Zsenerie des kleinen Tales zu erkennen. Ein sich ständig verändernder Erdfall gab im Oktober 1998 nach starken Regenfällen den Blick auf einen vom Bach durchflossenen Hohlraum frei, der als Teil der Mathildenhöhle  zu sehen ist. Direkt neben  der großen Höhlenausflut befindet sich etwa 60 m nördlich ein   kleiner Quelltopf, der wie ein Pilz aus dem lehmigen Erdreich hochdrückt und nicht selten sein Quellort ändert.


Diese Quelle ist nicht mehr als 20 cm – 30 cm breit und hat eine ganzjährliche ziemlich gleichmäßige Schüttung. Sie hängt auch nicht mit der Mathildenhöhle zusammen, was zum Einen ihre Temperatur von 8°C , (Wassertemperatur der großen Quelle zum gleichen Zeitpunkt: 12°C) zum Andern aber auch ihre nie vorhandene Trübung nach einer Befahrung der Mathildenhöhle beweist. Außerdem wurde von Reinard und Christel Völker einige Wasserproben der beiden Quellen untersucht. Am 9.5. 1998 hatte die große Quelle einen  Sulfatgehalt von 192 mg/L während die kleine Quelle bei 1454 mg/L lag!

Südlich der Mathildenhöhle schließt sich eine weitere Erdfallzone an. Unterhalb des Teufelsberges sind die Gipslager sehr gut an der buckeligen Oberflächenform auszumachen. In einer von Eichen bewachsenen Mulde existiert eine Schwinde, die von den Landwirten mit Bauschutt verfüllt wurde. Dies zeigte eine Grabung am 17.10.1998, bei der noch in 2,5 m Tiefe die Füllsäule vollends zu erkennen war. das hinein fließende Wasser verschwindet bei starken Regenfällen mit einem lauten Gurgeln und zeigt keine Stauung. Wohin allerdings dieses Wasser fließt ist nicht geklärt. Unterhalb des Teufelsberges gibt es nämlich keinerlei Quellhorizonte.

 
Allen gemeinsam ist auch das Vorhandensein von Bachschwinden, von denen eine etwa 4 m befahrbar , allerdings stark verschlammt ist. An ihnen kann man gut den Ausbiss der Gipslager erkennen, da die Bäche direkt aus dem Hilssandstein kommen und nahezu ungesättigt ihre volle Lösungskraft entfalten können.

Zudem gibt es in diesem Gebiet einen aufgelassenen und ziemlich verwachsenen Gipssteinbruch. der Gips ist sehr rein und besitzt eine gelblich – weiße Farbe. allerdings ist er auch sehr brüchig und wenig kompakt. Er gehört hier dem Oberen Lager an, während  der des unteren Lagers stark verunreinigt und mit Alabasterknollen durchzogen ist, wie die Innenansicht der Mathildenhöhle zeigt. Die südlichsten Erdfälle in diesem Bereich sind mittlerweile als Wasserstauer ausgebildet und bilden wichtige Biotope.

Im November 1998 entdeckte der Autor etwa einen Kilometer nördlich der Mathildenhöhle eine weitere sehr interessante Schwinde. Sie ist von der Straße aus nicht zu sehen, dafür erkennt man von einem Feldweg aus eine mit Bäumen bewachsene Mulde, aus der ein kleiner Bach entspringt. Die Quelle dieses Baches ist künstlich eingefaßt. Oberhalb dieser Quelle sind zwei Gipsklippen herrlich herausgewittert. In der rechten Klippe existiert eine Kluft mit einer möglichen befahrbaren  Länge von etwa 3 m –5 m. In der linken Klippe befindet sich ein ehemals vom Wasser durchflossener Gang mit dem typischen Schlüssellochprofil. Allerdings ist auch hier ein Befahren ohne vorheriger Grabung ausgeschlossen. Richtig interessant wird es erst, wenn man 100 m – 150 m weiter südlich über einen Buckel geht. Dieser Buckel zeigt an seiner Oberfläche keinen Hinweis auf eine Unterirdische Verkarstung. Doch dieser Eindruck täuscht. Rasch bricht die Wiese in einen ca. 10 m tiefen Trichter ab, der das Ende eines lang gezogenen Trockentales bildet. An diesem Ende verschwindet ein kleiner Bach in den Untergrund und zwar in eine exelent herausmodelierte Schwinde. Sie liegt unter eine 4 m hohe Gipsklippe und bildet ein Mundloch von 2,5 m x 1,5 m. Dieses Mundloch ist etwa 4 m befahrbar bis der Bach unter Gestrüpp und Bruchsteinen Verschwindet. Das Trockental zeigt in eindrucksvoller Weise die herausbildung der Gipslager des Münder Mergel und wird bestimmt noch einige Geheimnisse der Höhlenbildung preisgeben.



5.0 Karsterscheinungen  an der Nordwestseite des Hils, südlich des Ith

In dieser Region steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen, bedingt durch die überwiegende Konzentration  der Arbeit auf die Mathildenhöhle, aber auch auf Grund der Unwegsamkeit des Geländes.

Doch ist die Situation hier ähnlich wie auf der anderen Seite des Hils : Auch hier treten drei Gips -,bzw. Anhydritlager aus den Ton -, und Kalkschichten der Münder Mergel hervor und fallen im Gelände durch ihre außerordentlichen Verkarstung auf. Einziger Unterschied ist allerdings, daß sie unterhalb der steilen Hilshänge mit dem zu Tage treten beginnen und entlang des Ith noch eine ganze Weile in den flachen Talsenken verfolgt werden können.

Geologen zählten hier einst über 170 Dolinen und Erdfälle und sprechen deshalb von der Dolinenreichsten Gegend in Norddeutschlands Jura Gebieten. Das wohl interessanteste Objekt existiert unterhalb der Rönnebergschwinde.

Geht man einen Seitenlauf des Ruthebaches hoch so läuft man erst entlang eines tief eingeschnittenen Tales, bis man ziemlich bald vor einem imposanten Höhleneingang steht.


Der Eingang zum Ruthebröller. Dieser Eingang wird durch eine Quelle gebildet und hat lichte Maße von 3 m Höhe und etwa 1,5 m – 2 m Breite. Dies ist auch der Eingang zu einer 13 m langen Höhle, die etwa 8m durch Verbruch  und den Rest durch das aktive Bachbett führt, das am Ende zu eng wird. Einige Meter neben der Höhle befindet sich ein periodischer Überlauf, der anscheinend mit ihr zusammenhängt.

Eine kleine Grabung, die den ovalen Einstieg erweitern sollte blieb bislang erfolglos.

Die Herkunft des Baches klärt sich, indem man weiter ein Stück bergauf geht. Sein unterirdischer Lauf ist durch eine sehr aktive Verbruchzone gekennzeichnet und so manchen Baum zur Schieflage bringt.


Im weiteren Verlauf „Bachaufwärts“ kommt man endlich zu einer  weiteren imposanten Schwinde, der Rönnebergschwinde. Hier kommt ein Bach direkt aus den kreidezeitlichen Sandsteinen und hat bei Erreichen des Gipses einen ca. 15m tiefen Schwindbereich geschaffen, indem er gurgelnd versinkt um am Ruthebröller in 250 m Entfernung wieder zu Tage zu treten.

Ganz in der Nähe befindet sich nach NW der größte Steinbruch, indem die Gipse des Münder Mergel abgebaut wurden. Dieser Steinbruch „Sparensiek“ ist allerdings sei vielen Jahren aufgelassen.

Das Gipslager zieht sich noch einige Kilometer hin, bevor es im Bereich nördlich der „Drei Kastanien“  mit einem imposanten Dolinefeld allmählich ausläuft.

Literatur

DORSTEN, I. (1998): Die Mathildenhöhle. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. 1998, Heft 3/4.

DECHEND, W. & MERKT, J. (1970): Der Erdfall von Driehausen. – Veröff. naturwiss. Ver. Osnabrück, 33: 48 – 59, 6 Abb.; Osnabrück

EBERT, A. u. O. GRUPE (1927): Erläuterungen zu der Geologischen Karte, Blatt Lauenau Hrsg.: Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung, Lieferung 271, 34 S.

FRICKE, U. (1999): Fertigstellung der Außenvermessung an der Mathildenhöhle vom 9. Januar 1999. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. 1999, Heft 1.

HARK, U (1956): Bericht über die Wissjura-Kartierung auf dem MTB Freden und Einbeck. – Ber. Arch. Nieders. L.- Amt Bodenforschung, Hannover. – (Unveröff.)

HARMS,  F-J. (1984): Erläuterungen zur geologischen Karte von Niedersachsen 1 : 25000, Blatt Nr. 4025 Freden – Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung 1984.

HERRMANN, R. (1969): Die Schlüsselstellung des Malm-Schichtkammes der Hilsmulde in der Morphologie des nordwestlichen deutschen Berglandes. S. 41-51, 5 Abb. Geol. Rundschau, Bd. 58, Stuttgart.

KEMPE S. (1998): Gipskarst und Gipshöhlen in Deutschland. NNA-Berichte, 11. Jahrg., Heft 2, 1998, S. 25 – 35

VÖLKER, R. (2000): Eine karsthydrologische Besonderheit bei der Beobachtung einer echten Karstquelle (Betr. Mathildenhöhle am Hils). In: Gipskarst Südharz Heft 2000.

Autorenanschrift:

Ingo Dorsten, Im Schleidt 9, 35745 Herborn (Email: ingo.dorsten et hokodata.de)
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Letzte Änderung:05.06.2006


 

 

Blick auf den Ausstrich der Gipslager der Münder Mergel im Bereich der Mathildenhöhle. Deutlich ist der Verlauf der Gipslager am Relief zu erkennen.Foto: Ingo Dorsten 1998

 

 

Erdfall im Schwindbereich der Mathildenhöhle. Hier bildet dieser den Zustieg zur Mathildenzuflußhöhle. Foto: Ingo Dorsten 2002

 

 

Das Karstgebiet im Bereich der Mathildenhöhle nach starken Regenfällen. Durch die geschlossenen Grasnarbe hat sich ein kleines Gerinne an die Oberfläche gedrücht. Foto: Ingo Dorsten 1998

 

 

Wilde Müllablagerungen im Schwindbereich des Baches, der die Mathildenhöhle bildet. Solche Müllkippen gehören leider zum alltäglichen Bild in vielen Karstgebieten. Foto: Ingo Dorsten 1998

 

 

Die Zebraschwinde, eine der beeindruckensten Bachschwinden im Leinebergland. Foto: Ingo Dorsten 1998

 

 

Die Rönnebergschwinde. Sie ist die tiefste Schwinde im Niedersächsischen Bergland. Foto: Ingo Dorsten 1998

 

 

Der Ruthebröller, hier tritt der Bach aus, der zuvor in der Rönnebergschwinde im Untergrund versank. Photo: Ingo Dorsten 1998