Forschungsfahrt zu den Helgoländer Höhlen 2002

Die Teilnehmer der Forschungsfahrt 2002:

An der Forschungsfahrt zu den Helgoländer Höhlen waren die Mitglieder mehrerer höhlenkundlicher Vereine beteiligt.

Von der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde e.V. waren dies:

Marita und Siegfried Wielert, Ingo Dorsten, Uwe Fricke, Horst Kiefert, Kai Böttcher und Lothar Midden (letzterer auch Mitglied der ArGe HuK Grabenstetten)

Von der ArGe Höhle und Karst Grabenstetten e.V.:

Mathias Lopez Correa

Von der Höhlengruppe Nord e.V.:

Joachim Schween

Michael Vohs

Von der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessem e.V.:

Annette Hüser

 


Exkursion zu den Brandungshöhlen im Felsenwatt.

Nach der Anreise am 15.2.2002 ging es am nä#chsten Tag zu den Brandungshöhlen im Felsenwatt. Nach dem Frühstück ging es los. Wir wanderten, zum Teil in Höhlenforscherausrüstung, zum Felsenwatt. Dort angekommen wurden jede Brandungshöhle aufgesucht, anhand der Kepplerschen Pläne aus dem Jahre 1993 mit der vorgefundenen Situation verglichen. Die Pläne wurden angepasst und ergänzt. Von jedem Höhleneingang wurden mittels GPS-Emüfänger die Eingangskoordinaten ermittelt und dem Höhlenkataster zugeführt.

Zum Teil war es recht schwierig, die Grenze zwischen einer blossen Brandung-Hohlkehle und einer nach dem Trimmelstandart zu bezeichnende Höhle zu finden. Wir orientierten uns deshalb an den von Keppler im September 1993 aufgenommenen Angaben. Einige Objekte sind aber nur als Halbhöhle zu bezeichnen.


Bild 1: Brandungshohlkehlen und Brandungshöhlen an der Helgoländer Steilküste.


Eines der größten Objekte ist Georg siin Koller. Diese Brandungshöhle wurde von uns eingehend untersucht und fotografiert.

Bild2: Eingang zu Georg siin Koller.


Der Bewuchs des Oberlandes bietet den hier weidenden anspruchslosen Schafen eine gute Nahrungsgrundlage. Es gibt auf dem rauhen Oberland auch viele geschütze Plätze zu den sich die Tiere bei stürmischer Witterung zurückziehen können. Ist ein Tier einmal allzu unvorsichtig oder wird es durch Besucher gestört, so kann es vorkommen, dass Tiere die Felswand hinabstürzen. Auf unserer Exkursion fanden wir solch ein abgestürztes Schaf am Fuße einer hohe Felswand.

Bild 3: Fund eines abgestützten Schafes am Fuße der Felswand.


Einige der Höhleneingänge liegen sehr versteckt und sind durch herabgestürzte Fels- und Schuttmassen zum Teil verschüttet. Das Meer und das rauhe Seeklima leisten hier ganze Arbeit. Es ist zum Teil auch sehr gefährlich sich an den Felswänden aufzuhalten. Wir trugen deshalb ständig Helme, wenn wir uns den Felsen näherten.

Bild 4: Halb verschütteter Eingang zu einer Brandungshöhle.


Auf unserer Exkursion fanden wir auch zwei Höhlen nahe der "Langen Anna" die von Keppler im Jahre 1993 noch nicht erfasst worden waren. Wir gaben den Höhlen die Namen Flak Nathuurn Gat und Norlek Nathuurn Gat. Die Höhle Flak Nathuurn Gat kann sich rühmen, die am nördlichsten gelgenen aller deutschen Höhlen zu sein.

      
Bild 5: Flaak Nathuurn Gat.

 

Bild 6: Norlek Nathuurn Gat.


Die "Lange Anna" bei Ebbe vom Felsenwatt aus gesehen.

Von der "Langen Anna" aus ging es zurück durch mehrere kurze Stollen auf dem Pionierweg entlang der unter strengen Schutz stehenden Weststeilküste. Wir hatten dankenswerter Weise für den Besuch dieser geschützten Bereiche eine Ausnahmegenehmigung vom Wasser- und Schifffahrtsamt erhalten.

Auf dem Pionierweg muss man, wie schon erwähnt, einige kurze Stollen durchwandern, von denen einer mit einem massiven Gittertor versehen ist. Dieses Tor ist notwendig, damit der geschützte Steilküstenbereich nicht von Touristen betreten wird, da es sich hier zum Einen um einen streng geschützten Vogelbrutplatz handelt und zum Anderen das Betreten der Blockhalden unterhalb der Felswände aufgrund von Steinschlag sehr gefährlich ist.


Bild 7: Kurzer Stollen an der Weststeilküste.


An mehreren Stellen kann man noch die Relikte aus der Zeit des zweiten Weltkrieges sehen, wie alte Entwässerungsleitungen aus zerstörten Bunkersystemen.

Wir beendeten unsere erste Höhlenexkursion mit erreichen des Unterlandes und kehrten zur Unterkunft zurück.

 

 

Führung in das zivile Luftschutz-Bunkersystem der Insel.

Bevor wir zur Bunkerführung aufbrachen, wurde erst einmal ausgiebig zu Mittag gegessen. Kai Böttcher hatte hierzu selbst gesammelte Miesmuscheln zubereitet. Es fanden sich aber nur wenige die an diesem Mahl teilnahmen. Die Anderen zogen wie vor, lieber was handfestes zu essen.


Der Besuch und eine Führung in das Helgoländer zivile Luftschutz-Bunkersystem kann man nur jedem Besucher der Insel empfehlen. Man erhält hier aus berufenem Mund, gute Informationen über die Rolle Helgolands im zweiten Weltkrieg und dessen Zerstörung durch die Alliierten Streitkäfte zum Ende des Krieges, sowie dessen Wiederaufbau nach Beendigung der Kriegshandlungen.

Unsere Führung begann nach einer allgemeinen Einweisung in einem gut erhaltenen sogenannten "Panik-Treppenhaus". Hier konnten eine Vielzahl von Personen durch eine spezielle Treppenanordnung den Treppenraum nutzen.


Man kann von dem ehemals gut 25 Kilometer langen Bunkersystem, mit denen der rote Buntsandsteinfelsen Helgolands durchörtert war, heute noch ein 400 Meter langes Teilstück besichtigen. Alle anderen Stollen sind zerstört oder verschüttet und somit unzugänglich. Das zu besichtigende Teilstück war der ehemalige Zivilschutzbunker.

Bild 8: Die einzelnen Bunkerkomponenten sind durch lange, schmale Gänge miteinander verbunden.


Auf diversen Schautafeln wurde uns die Entwicklung und Umgestaltung Helgolands erklärt.

Bild 9: Schautafel: Helgoland in der Gegenwart.


Bild 10: Schautafel: Helgoland vor 300 Jahren.


Bild 11: Schautafel: Helgoland vor 1200 Jahren.


Zu Kriegszeiten muss hier drangvolle Enge geherrscht haben. Die Zivilbevölkerung hielt sich bei Alarm hier in den Gängen auf.

Bild 12: Funktionsraum (Küche) im zivilen Bunkersystem.


Gegen Abend verließen wir mit vielen neuen Erkenntnissen das Bunkersystem wieder. Nach der Führung liefen wir noch ein wenig durch den Ort auf dem Oberland und genossen die abendliche Kulisse beim Blick auf das Meer.

Der dritte Tag auf der Insel

Sonntag der 17.02.2002 war unser dritter Tag auf der Insel. Für Heute war ein Besuch der Düne geplant. Hierfür standen wir alle zeitig auf, so dass wir als erste am Hafen waren. Von dort ging es dann mit einem kleinen Börteboot hinüber zur Düne.

Der Name Börteboote stammt von Börte. es ist der Name der Fischergenossenschaft, deren Boote den Fährverkehr zwischen den ankommenden großen Schiffen und der Insel Helgoland, sowie den Personentransport zur Düne besorgen. Bei den Boote handelt es sich um Einsatzboote, deren Einsatz sich nach dem Besucheraufkommen richtet.


 Die Düne ist eine Badeinsel. Sie wurde vom Meer in den letzten hundert Jahren aufgespült. Sie bietet einer Vielzahl von Seerobben und Seehunden einen Ruheplatz. Bei unserer Ankunft lagen über hundert Tiere am Strand und genossen die Morgensonne.

Bild 13: Seehunde und Robben am Strand.


In kleinen Gruppen oder alleine begannen wir über die Düne zu wandern. An allen ecken gab es bei bestem Wetter etwas zu fotografieren. Die Düne ist ein begehrter Ferienort zur Saison. Auf der Düne gibt es sogar einen kleinen Flugplatz.

Auf der Düne befindet sich zu Ehren der in rauher See gestorbenen Seeleute ein Friedhof. Er nennt sich: "Friedhof der Namenlosen".

Da einige von uns am heutigen Tag die Rückfahrt wieder antreten musten, kehrten ein Teil der Truppe gegen Mittag wieder die Fahrt zur Hauptinsel an.


Zuerst verabschiedeten wir einige Teilnehmer aus unserer Runde, die wie schon erwähnt, am heutigen Tag die Rückfahrt antreten mussten. Kai Böttcher, Joachim Schween und Mathias Lopez Correa reisten ab.

Wir anderen erkundeten in einer kleinen Gruppe noch einmal die Steilküste bis hin zur Südmole.

Auf dem Oberland fotografierten wir noch einmal den großen Leuchtturm, welcher alle 5 Sekunden einen Lichtblitz auf die See hinaussendet. Der heutige Leuchtturm steht auf einem ehemaligen Flakleitstand aus dem zweiten Weltkrieg. Dieser hatte die Zerstörung durch die Alliierten überstanden. Die Lichtsignale des Leuchtturmes sind in einer Entfernung von 63 Kilometern noch sichtbar. Neben dem Leuchtturm, der das Hauptfeuer darstellt, gibt es noch kleinere befeuerte Seezeichen, sowie ein Nebelhorn. Dieses dient hauptsächlich kleineren Schiffen als Orientierung.

 

Bild 14: Eingang zu einer Brandungshöhle in der Weststeilküste.

 

Bild 15: Eingang zu einer Brandungshöhle in der Weststeilküste.

 

Bild 16: Brandungshöhle an der Weststeilküste

 

Bild 17: Die Weststeilküste ragt bis zu 50m hoch auf.

 

Bild 18: Winderosion


Ende des dritten Tages auf der Insel Helgoland.

Bild 13: Seehunde und Robben am Strand.Bild 14: Eingang zu einer Brandungshöhle in der WeststeilküsteBild 15: Eingang zu einer Brandungshöhle in der WeststeilküsteBild 16: Brandungshöhle an der WeststeilküsteBild 17: Die Weststeilküste ragt bis zu 50m hoch aufBild 18: Winderosion

Der vierte Tag auf der Insel

Am Montag den 18.02.2002, unserem vierten Tag auf der Insel, hatten wir noch einmal eine ausgiebige Wanderung durch das Felswatt geplant und im Anschluss sollte es ins Museum gehen

Bild 19 und 20:  Im Felswatt.

 

Bild 21: Im Felswatt im Bereich "Lange Anna"

 

Bild 22: Beeindruckend sind vor allem die durch Winderosion geschaffenen Strukturen an den Buntsandstein-Felswänden.

 

Bild 23: Blick aus einem der Stollen an der Weststeilküste.

 

Bild 24: Eingänge von Hel bi de Brunsche Rest und von Flak Gat


Besuch des Helgoländer Museums.

Den letzten Tag, vor der Abreise besuchten wir noch einmal das Museum auf der Insel. Hier konnten wir noch viele interessante Dinge in Erfahrung bringen. das Museum war gerade im Aufbau begriffen.

Nach dem wir das Museum wieder verlassen hatten, blies uns ein kräftiger Sturm entgegen. Wir liefen noch einmal auf das Oberland. Dort hatten wir Mühe uns gegen den Wind zu behaupten. Man konnte den Fotoapparat nicht mehr ruhig in der Hand halten. An der Steilküste bestand die Gefahr, vom Wind mitgerissen zu werden und abzustürzen.

 Mit einem mulmigen Gefühl kehrten wir, die morgige Rückfahrt in Gedanken habend, zur Unterkunft zurück. Der Sturm nahm über Nacht an Stärke zu, so dass wir sehr unruhig geschlafen haben.

 


Dienstag. den 19.02.2002: Die Rückfahrt zum Festland.

Wir hatten die ganze Nacht kaum geschlafen. Unaufhörlich hatte der Sturm zugenommen. Wir hatte Mühe mit unserem Gepäck den Hafen zu erreichen. Man musste sich im Sturm und aufpeitschenden Regen regelrecht vorkämpfen.

Auf unserem Schiff, der Seute Deern angekommen, sahen wir die hohen Wellen auf offener See. Im Hafen hielt es sich noch in Grenzen. Uns wurde gesagt, dass bis zur Windstärke 10 die Seute Deern noch auslaufen würde. Und sie tat es auch.

Die Schiffsfenster waren im Bereich der Wasserlinie mit Metallblechen verbarikadiert worden. Ebenso waren starke Gepäcknetze im Schiff aufgespannt worden. Schwere Gegenstände, wie z.B. ein Stromerzeuger, wurde fest vertaut. Der Kapitän rief die Mannschaft auf die Brücke und gab mit dem Hinweis, dass wir eine sehr bewegte Rückfahrt hätte, an die Passagiere Sicherheitshinweise aus.

Während der Rückfahrt wurde die gesamte Post, sie befand sich in offenen Kunststoffkisten, über den Schiffsboden verteilt. Durch die starken Schiffsbewegungen war alles durcheinander gewirbelt worden.

Gesagt getan, kaum hatten wir den Hafen verlassen, ging es los. Teilweise hatten wir Brecher von ca. 8m Höhe. Das Schiff krachte mit ungeheurer Wucht immer wieder in die Wellentäler hinein. Für aufkommende Seekrankheit hatten wir gar keine Zeit, es galt sich ständig irgendwo festzuklammern. Es bestand auch keine Möglichkeit zum fotografieren. Erst als wir den Bereich Neuwerk erreichten, beruhigte sich der Sturm und wir konnten etwas ruhiger weiterfahren, bis wir heile in Cuxhaven eintrafen.

Später erfuhren wir über das Autoradio, dass alle Brücken wegen Sturm gesperrt worden sind und wir Sturm bis zur Windstärke 12 gehabt haben. Bei unserem Museumsbesuch am Vortage hatte wir uns noch amüsiert über ein Bild von der Seute Deern im Sturm, jetzt hatten wir selber die leidvolle Erfahrung machen müssen.

Bild 25: Heile und unbeschadet sind wir wieder in Cuxhaven angekommen.

Dennoch war es ein sehr lehrreiches Wochenende, zudem wir auch besonders viel Spaß gehabt haben. es war bestimmt auch nicht das letzte Mal, dass die ArGeKH eine Fahrt zur Insel Helgoland unternommen hat. Die Brandungshöhlen bieten hierzu noch einiges an Forschungsmöglichkeiten.

Text und Fotos: Uwe Fricke